
Warum Bio?
Gesunde Pflanze - Gesunder Mensch
“Bio” ist “in”. Fast jede Woche eröffnet in Deutschland ein neuer Öko-Supermarkt mit Preisen, die auch für den Durchschnittsverdiener erschwinglich sind. Eine Plakatserie zur Einführung des neuen Bio-Siegels “Bio – da ist mehr drin” überzieht Deutschland. Der Anteil der biologisch bewirtschafteten Flächen stieg immerhin in nur 1 1/1 Jahren von 2,6 auf 3,5 Prozent, und jedes Jahr stellen rund 10 000 Höfe bei uns auf “bio” um. Was Tschernobyl für die Atomindustrie, kann die BSE-Krise für die konventionelle Landwirtschaft bedeuten, ein “Super-Gau” (Franz Alt), der zum Umdenken zwingt. Bisher wurde noch kein Bio-Rind mit BSE getestet, das auf einem Bio-Hof geboren und aufgewachsen ist. Kein Wunder, hat der Pionier des Bio-
Landbaus, Rudolf Steiner, schon in den 30er Jahren die Verfütterung von tierischen Produkten an Rinder mit den prophetischen Worten gebrandmarkt: “Die Rinder werden davon irre.”
Die chemische Industrie bot Vertretern der bioligsch-dynamischen Landwirtschaftsweise Ende der zwanziger Jahren eine Million Reichsmark, um den “Landwirtschaftlichen Kurs” von Rudolf Steiner “wegzukaufen”. Vergeblich: die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten. Fritz-Albert Popp, Begründer der Biophotonen-Theorie und Verfechter des Bio-Landbaus, fand sich in den achtziger Jahren auf einer “Schwarzen Liste” wieder, welche die Namen derer enthielt, die sich in einem Dokumentarfilm des Deutschen Fernsehens für biologischen landbau ausgesprochen hatten, und diese Liste wurde als Beschwerdebrief an bestimmte einflussreiche Parteifunktionäre des Deutschen Bundestags versandt. Die Absender gehröten zum Umfeld der deutschen Düngemittel-Industrie.
Der Bio-Landbau ist heute nicht mehr aufzuhalten, es ist nur eine Frage der Zeit, wie schnell er sich ausweitet. Auch ein Regierungswechsel wird daran nichts ändern, auch wenn Grünen-Ministerin Renate Künast diese Entwicklung sehr vorangetrieben hat. Fachleute wie Dr. Lothar Burgerstein, Autor von “Heilwirkung von Nährstoffen” kommt zum Schluss: “Die ideale Pflanzennahrung kommt vom biologischen Anbau.” Bio-Lebensmitteln haben mehr gesundheitsfördernde Vitalstoffe und weniger Schadstoffe wie Nitrat und Pestizide, was Barbara Simonsohn mit einer umfangreichen Literaturstudie belegt. Durch die Auslaugung und Überdüngung unserer Böden, hinzu kommt der saure Regen, finden sich immer weniger Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine in Obst und Gemüse. Professor Claus Leitzmann, Ernährungswissenschaftler an der Universität Gießen, empfiehlt daher “möglichst ausschließliche Verwendung von Erzeugnissen aus anerkannt ökologischem Anbau.”
Barbara Simonsohn, engagierte Verfechterin einer gesunden Lebensweise, zeigt die historische Entwicklung auf, stellt Pioniere des Bio-Landbaus wie Karl-Ludwig Schweisfurth vor, zeigt beeindruckend die Gefahren für unser Trinkwasser durch die konventionelle Landwirtschaft auf, und die Gesundheits-Gefahren durch Kunstdünger, cadmiumhaltigen Klärschlamm, Gülle, Fungizide, Herbizide und Pestizide. DDT findet man mittlerweile auch im Fettgewebe der Pinguine in der Antarktis. Jahrzehntelang war die menschliche Muttermilch in Deutschland so mit DDT belastet, dass sie nicht als Lebensmittel in den Verkehr hätte gebracht werden düfen! Zwar hat der “stumme Frühling” (Rachel Carson) nicht stattgefunden, die Vögel singen immer noch, aber die gesundheitlichen Gefahren durch Spritzgifte besonders für Kinder und Ungeborene sind noch immer vorhanden, zumal sich dieses Gifte sowohl in der Umwelt als auch im Fettgewebe und Gehirn von Mensch und Tier anreichern und auch kleine Mengen “neurotoxisch” sind und zu Lern- und Verhaltensstörungen führen können.
In einem langen Kapitel setzt sich die Autorin mit den Vorurteilen gegenüber Öko-Lebensmitteln auseinander und weist schlüssig nach, dass es bei einer Agrarwende weder zu Versorgungsproblemen kommen braucht, noch zu wesentlich höheren Preisen für Lebensmitteln. Bio-Landbau ist in den Augen von Barbara Simonsohn die einzige nachhaltige Wirtschaftsweise, die der Agenda 2000 zufolge die Bodenfruchtbarkeit auch für nachfolgende Generationen sichert, auch für Entwicklungsländern. Bestrahlten und genmanipulierten Lebensmitteln erteilt die Autorin eine klare Absage und weiß dies auch zu begründen. Ein A-Z-Teil mit einer Analogie der Krankheiten bei Pflanze, Tier und Mensch, was so noch nicht veröffentlicht wurde, und ein ausführlicher Adressenteil runden das Buch ab.
Insgesamt handelt es sich um ein engagiert geschriebenes, informatives und fundiertes Lese- und Nachschlagewerk für den interessierten Verbraucher als auch für Bio-Landwirte, Naturkostladen-Besitzer und Hobby-Gärtner, die jetzt und sofort etwas für ihre Gesundheit tun möchten und dafür gute Argumente brauchen.

